Lasertonsillotomie als Kassenleistung

Häufig besteht im Kindesalter neben einer Vergrößerung der Rachenmandeln auch eine starke Vergrößerung der Gaumenmandeln ("Mandeln"). Dies kann infolge einer teilweisen Verlegung des Rachens zu einer starken Nasenatmungsbehinderung und ausgeprägter Mundatmung führen.

Bei gleichzeitigem Rückhalt / Aufstau von Schleim (ideales Bakterienreservoir) besteht ein anhaltender "Schnupfen", vergesellschaftet mit häufigen, beständigen Infekten der oberen und unteren Atemwege. Starkes Schnarchen, eventuell auch mit Atemaussetzern (im Schlaf) ist ebenfalls Folge einer starken Vergrößerung der Gaumenmandeln.

Oftmals kommt es bei den betroffenen Kindern zu Paukenergüssen (Sekretansammlungen im Mittelohr) mit Hörminderung und gehäuften Mittelohrentzündungen. Auch haben die Kinder häufig Schluckbeschwerden und wenig Appetit, was als Folge zu Gedeihstörungen führen kann. Bei längerem Bestehen dieser Probleme kann es auch zu Formveränderungen des Oberkiefers (spitzer Gaumen) kommen.

Wenn bei einem Kind eines oder mehrere der beschriebenen Symptome auftreten und bei der Untersuchung beim HNO-Arzt eine starke Vergrößerung der Gaumenmandeln festgestellt wird, ist je nach Ausprägung der Symptome eine operative Therapie notwendig. Die alleinige Entfernung der Rachenmandeln ("Polypenentfernung") ist in solchen Fällen nicht ausreichend. Die bis vor wenigen Jahren bei stark vergrößerten Gaumenmandeln empfohlenen und teilweise immer noch praktizierte komplette Entfernung der Gaumenmandeln ("Mandel-OP") ist nach aktueller wissenschaftlicher Einschätzung heute nicht mehr als optimale Behandlung einzustufen. In den allermeisten Fällen (Ausnahme: chronische Entzündung der Gaumenmandeln, im Kindesalter sehr selten!) ist die alleinige Verkleinerung der Gaumenmandeln, vorzugsweise mit dem Laser (Lasertonsillotomie), als optimale Behandlung anzusehen.

Mit der Lasertonsillotomie können die stark vergrößerten Gaumenmandeln so verkleinert werden, dass die durch die Vergrößerung entstandenen Probleme behoben werden. Die Funktion der "Rest-Gaumenmandeln" scheint nach heutigem Kenntnisstand erhalten zu bleiben. Als weitere Vorteile der Lasertonsillotomie sind die im Vergleich zur Gaumenmandelentfernung deutlich geringeren und kürzer anhaltenden Wundschmerzen.

Der wichtigste Vorteil ist das äußerst geringe Nachblutungsrisiko, weshalb die Lasertonsillotomie in den allermeisten Fällen ambulant durchgeführt werden kann. Dagegen ist bei der Gaumenmandelentfernung wegen des hohen Nachblutungsrisikos immer noch eine stationäre Betreuung von ca. 7 Tagen notwendig.

Trotz der zahlreichen Vorteile der Lasertonsillotomie besteht bei dieser Behandlung das Problem der Kostenerstattung. Die Operation wurde bisher nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen. Das hat zur Folge, dass die gesetzlichen Krankenklassen die Kosten für diese Operation nicht übernehmen können. Eigentlich ein unverständlicher Umstand, aber letztlich Konsequenz unserer Sozialgesetzgebung. Paradoxerweise übernehmen die Krankenkassen aber die Kosten für eine stationäre Gaumenmandelentfernung, obwohl dies nicht die optimale Behandlung der kindlichen Gaumenmandelvergrößerung darstellt.

Das bedeutet, dass die Lasertonsillotomie als sogenannte Igel-Leistung (=individuelle Gesundheitsleistung) von den Eltern selbst bezahlt werden muss! Dies ist durch ein Urteil des Sozialgerichts Potsdam bestätigt worden.

Im Rahmen der sogenannten "integrierten Versorgung" haben wir aber über den HNO-Verbund Berlin/Brandenburg die Möglichkeit, den Versicherten von zurzeit über 70 Betriebskrankenkassen und der Techniker Krankenkasse die Lasertonsillotomie ohne Zuzahlung anbieten zu können.